Sommerfrische Sommerliebe

Ein Sommerausklang mit der Liebemacherei

Früher verlegte man im Hochsommer den Wohnort. Hinaus aufs Land, um die Grillen zirpen zu hören und die Luft flimmern zu sehen, um zu spazieren, zu baden, im hohen Gras zu liegen und mit lieben Menschen beisammen zu sein. Sommerfrische nannte man das: einen Entzug vom Sollen, ein paar Tage zweckfreier Muße, in denen nichts erreicht werden muss. Genau danach steht uns der Sinn. In der Sommerfrische der Liebemacherei geht es um Leichtigkeit.

Und zugleich hat diese Leichtigkeit einen feinen Schatten, der sie noch kostbarer macht: Memento mori. Im Sinne von „alles vergeht“. Wir kommen zum Abschluss des Sommers zusammen, mittendrin und schon am Rand. Der letzte Sommer-Seufzer geht gerade deshalb so tief, weil man weiß, dass es damit bald vorbei ist. Die Pfirsiche auf der Tafel sind am süßesten, kurz bevor sie kippen, die Blüte neigt sich schon, noch während wir sie bewundern. Alles Schöne trägt sein Vergehen in sich, und gerade das macht es so kostbar.

So ist es auch mit dem Begehren. Es lebt vom Noch-nicht, von der kleinen Spanne zwischen dem Wollen und dem Haben. Man spürt Anziehung, lebt die Sehnsucht, verschmilzt schlussendlich für einen Augenblick und löst sich wieder. Das Verschmelzen muss enden, damit das Begehren bleiben kann, denn bliebe man für immer eins, wäre nichts mehr zu begehren. So trägt schon die innigste Nähe eine leise Wehmut in sich, jenen Hauch von Traurigkeit nach dem höchsten Augenblick, das alte omne animal post coitum triste est, die bittersüße Traurigkeit nach dem kleinen Tod. Diesem Aspekt wollen wir in unserer Sommerfrische Raum geben, dem Begehren und seinem zarten Schatten, und es nicht eilig stillen, sondern auskosten.

Wir werden zu Beginn Sommer-Wünsche einsammeln, die in diesen Tagen nach Erfüllung suchen. Manche lösen wir ein, manche bleiben bestehen, einige kosten wir aus, indem wir sie hinauszögern. Was die Stunden dann füllt, ist leicht und beschwingt und doch von tiefem Sinn durchzogen: gemeinsames Tanzen, Gespräche über Sehnsucht und Begehren, ein Spiel, bei dem das Auge einmal schweigt und man einander nur über Duft und Wärme und Atem findet, ein Abend mit flackernden Bildern auf Kissen und mit Popcorn, eine Verwandlung in verführerische Gewänder, ein Fotoshooting zum Festhalten des Augenblicks und schließlich als Höhepunkt ein Gelage aus Früchten und feinen Pralinen, von Haut zu Haut gereicht. Wie ein barockes Stillleben, lebendig geworden und genüsslich verzehrt. Du bist eingeladen, diesen Pfirsich genau jetzt zu genießen.

Die Sommerfrische ist ein niedrigschwelliges Get-together für Singles und Paare, für bekannte und unbekannte Gesichter, geleitet von Anne Brandt und Till Ferneburg. Von Freitag bis Montag gehört uns ein Raum, der in die Natur übergeht. Wir verpflegen uns selbst, sonnen uns, sitzen am Feuer und sind den größten Teil des Tages draußen. Die Unterkunft wird individuell gebucht: mit Bulli, Zelt oder in den sehr schönen Holzhäuschen und Zimmern auf dem Gutshof.

Sommerfrische Sommerliebe ist ein jährliches Format der Liebemacherei, jedes Jahr mit einem neuen Schwerpunkt. Dieses Jahr: Leichtigkeit, Begehren und das Auskosten des Augenblicks im Gewahrsein seiner Vergänglichkeit. Die Sommerliebe wird sommerfrisch gemacht. Einmal mehr, in diesem Sommer.